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| Andreas Schaub, Projektleiter "Wirtschaftsforschung und Sozialmarketing", GfS-Forschungsinstitut, Zürich | ||
Diverse Wirtschaftspleiten (WorldCom, Enron, Swissair, usw.) oder die hohen Saläre und Boni haben Fragen der Ethik und Verantwortung von Unternehmen und ihren Spitzenmanagern in jüngster Zeit wieder vermehrt ins Rampenlicht gerückt. Es lag deshalb nahe, die Frage von Macht und Verantwortung zum Thema der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für praktisch Sozialforschung zu machen, der Dachorganisation des GfS-Forschungsinstituts.
Am Mittwoch präsentierte der Geschäftsbereich Wirtschaftsforschung und Sozialmarketing des GfS-Forschungsinstitut im CS-Forum in Zürich die Resultate einer im September bei Geschäftsverantwortlichen von mittleren Unternehmen durchgeführten Umfrage. Die Befragten sind einerseits entweder in der Geschäftsleitung und/oder im Verwaltungsrat ihrer Firma, andererseits sitzen sie im Schnitt in rund 5,5 Gremien von Verwaltungsräten, politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Organisationen und zeichnen sich durch ein gutes Beziehungsnetz aus und kennen somit den Wirtschaftsstandort Schweiz. Die Antworten der Befragten lassen daher Aussagen über die Unternehmen der Schweiz zu, wenngleich die Studie aufgrund der Fallzahlen (n=62) eher explorativen Charakter hat.
Ausgangspunkt der Befragung war die These, dass viele Unternehmensleitungen sich ihrer Macht nicht mehr bewusst sind und sich so um eine gesellschaftliche Verantwortung foutieren können. Rund 60% der Befragten teilen diese Ansicht. Nur 20 % sehen es nicht so (der Rest wollte sich nicht festlegen). Teilt man die Befragten auf in die Mächtigeren und die weniger Mächtigen, so zeigt sich, dass die Mächtigeren dieser These mit 71 % noch deutlicher zustimmen; bei den weniger Mächtigen sind es 48 %. Man muss daher annehmen, dass viele Unternehmensleitungen in der Schweiz ihre gesellschaftliche Verantwortung nicht oder zuwenig wahrnehmen.
Vielleicht wird aber auch ganz einfach verantwortliches Verhalten von Unternehmen gar nicht erwartet? Die befragten Geschäftsleiter bestätigen aber, dass sich ethische und ökonomische Ziele vereinbaren lassen und dass Ethikfragen in der Wirtschaft keine Modeerscheinung sind. Gleichzeitig sagen sie aber, dass die heutigen Rahmenbedingungen nur kurzfristige Planungen ermöglichen. Dies erscheint wie eine Ausrede, wird in den befragten Unternehmungen doch – gemäss eigenen Angaben - meist in 5 Jahreshorizonten gedacht, was in unserem heutigen Wirtschaftsumfeld ein eher langer Zeithorizont ist.
Die Schweizer Unternehmen übernehmen gemäss der Befragten nur begrenzt Verantwortung und sie anerkennen auch, dass das von ihnen noch stärker erwartet wird. Die "Mächtigeren" sehen dabei den Handlungsbedarf vor allem bei den anderen Unternehmen und nicht bei der eigenen Unternehmung. Die "weniger Mächtigen" nehmen die eigene Unternehmung davon aber nicht aus.
Was heisst das nun? Viele Unternehmensleitungen sind sich ihrer Macht nicht mehr bewusst und können sich so um eine gesellschaftliche Verantwortung foutieren aber nicht so bei den wirklich Mächtigen, denn ihre Unternehmungsleitungen handeln ja bereits verantwortlich!