Spannungsfeld zwischen Wahrnehmung und Verhalten

Medikamentennutzung und Public Health am Beispiel einer Repräsentativstudie zum Thema 'Medikamentennutzung in der Schweiz'.

Jeannine DumontDr. Jeannine Dumont,
Psychologin, Projektleiterin GfS-Forschungsinstitut

0. Einleitung

Das Ziel des folgenden Beitrages ist es, mit einem ersten Schritt aufzuzeigen, wie unsere Repräsentativstudie zum heutigen Tagungsthema 'Medikamentennutzung' in den Wissenschaftsansatz von Public Health konzeptionell einzubetten ist.

In einem zweiten Schritt werden anhand der Ergebnisse unserer Studie nicht nur Risikofaktoren bei der Medikamentennutzung, sondern auch positive Verhaltenskomponente der SchweizerInnen in diesem Kontext aufgezeigt.

Abbildung 1: Die Schwerpunkte des Referates

 
  • Zum einen geht es um die Gesundheitsförderung unter dem Blickwinkel vermehrter individueller Eigenständigkeit. Repräsentiert wird der Schwerpunkt durch die "Self Care"-Kampagne der schweizerischen Apothekerschaft.
  • Zum anderen geht es um das Verhalten der SchweizerInnen bei der Medikamentennutzung.

Ich werde im folgenden versuchen, anhand einer empirischen Studie, einerseits das erwünschte und andererseits das tatsächliche Verhalten der Bevölkerung zu diesen Themen zu vermitteln. Auf der Datenbasis werden sodann vier Kernfragen überprüft und in einer Synthese die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst.

1. Die Theorie und die Fragestellungen

Die Public-Health-Wissenschaft orientiert sich in ihren Bemühungen, Gesundheits- und Krankheitsprozesse zu verstehen und in kollektiven Einheiten zu beeinflussen. Dieser Grundsatz bildet eine Voraussetzung für ein umfassendes Gesundheits- und Krankheitsverständnis unter Einbezug relevanter Einflussgrössen auf unterschiedlichen Systemebenen. Für eine Public-Health-orientierte Gesundheitsverhaltensforschung ist der Einbezug von sozialen, psychologischen und biologischen Faktoren sowohl in den Erklärungsmodellen als auch in der Praxis der Gesundheitsförderung auf Mikro-, und Makrosystemebenen erforderlich. Es gilt daher für die Theorie und Methodik, dass unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen Beiträge leisten können und müssen, und dass die sozialen und biologischen Bedingungen und Konsequenzen des Gesundheitsverhaltens in umfassender Form beschreiben und erklärt werden.

Die oben dargestellten Grundsätze können im Konzept der gesundheitsrelevanten Lebensstile von Thomas Abel (1997) entwickelt werden.

1.1 Zur Theorie der gesundheitsrelevanten Lebensstile von Thomas Abel

Thomas Abel geht dabei davon aus, dass das Tun, beziehungsweise Nichttun eines Individuums von zentraler Bedeutung ist. In der Auseinandersetzung der sozialen und dinglichen Umwelt entwickelt das Individuum Handlungsmuster, die auch typische Einstellungs-, Orientierungs- und Wertkonstellationen umfassen. über diese Handlungsmuster, die auch als Lebensführung beschrieben werden können, welche zusammen mit den korrespondierenden Lebenschancen die soziologische Kategorie Lebensstil bilden. Gemäss Abel (1997) lässt sich in Anwendung dieses Grundverständnisses das Gesundheitsverhalten als 'gesundheitliches Handeln' (Siegrist, 1995) erklären, das seinerseits wiederum als Teil von kollektiv geprägten 'gesundheitsrelevanten Lebensstilen' verstanden werden kann.
Auf der Basis des folgenden Konzeptes können dann auch die Bedingungs- und Wirkungszusammenhänge zwischen Verhalten, sozialen Bedingungen und Gesundheit empirisch untersucht werden.

Abbildung 2

In diesem Referat möchte ich in Bezug auf das eben dargestellte Modell den folgenden vier Forschungsfragen nachgehen:

Abbildung 3: Die Kernfragen

 
  • Welches Verhalten zeigt die Schweizer Bevölkerung bei der Medikamentennutzung?
  • Welches Orientierungsverhalten zeigen die SchweizerInnen bei der Medikamentennutzung?
  • Welche sozialstrukturelle Merkmale korrelieren mit der Medikamentennutzung?
  • Wurde die sogenannte 'Risikogruppe' über die 'Self Care' Kampagne 'Medikamente - richtig eingesetzt' angesprochen?
 
Quelle: GfS-Forschungsinstitut, "Medikamente richtig eingesetzt"

Diese Fragen werden im Folgenden auf der Basis der empirischen Studien überprüft, die im Auftrag des SAV im Kontext der 'Self Care' Kampagne 1999 'Medikamente - richtig eingesetzt' durchgeführt worden ist.

2. Die Datenbasis

Die Ergebnisse basieren einerseits auf einer Umfrage, die vom 10.12.1998 bis zum 23.12.1998, also vor der 'Self Care'-Kampagne des Schweizerischen Apothekervereins (SAV) durchgeführt wurde, und andererseits auf einer zweiten Befragung, die vom 31.05.1999 bis zum 08.06.1999 realisiert wurde. Es handelte sich in beiden Erhebungen um persönliche Interviews im Rahmen repräsentativer Befragungen von 1025 und 1006 EinwohnerInnen der Deutsch- und Westschweiz.

3. Die Ergebnisse

3.1 Das Verhalten

Prioritär sollen die beiden Indikatoren zur Nutzung der Medikamente wie, 'Gesundheitszustand der SchweizerInnen' und 'Eigene Medikamenteneinnahme' geklärt werden.

3.1.1 Der Gesundheitszustand
Gesundheitlich geht es einer Mehrheit der EinwohnerInnen und Einwohner in der Schweiz gut. 34 Prozent geben an, es ginge ihnen "sehr gut". 42 Prozent finden, es ginge ihnen "gut", und weitere 16 Prozent sagen, ihr Befinden sei "eher gut". Demgegenüber fühlen sich 5 Prozent "eher schlecht", 3 Prozent geht es "schlecht".

Abbildung 4

3.1.2 Der Medikamenteneinkauf
Werden Medikamente benötigt, wendet sich eine klare Mehrheit von 82 Prozent an dieselbe Apotheke, während 15 Prozent immer wieder andere Apotheken frequentieren.

Abbildung 5

Bei diesen Apotheken- und Arztbesuchen hat während des vergangenen Jahres mit 47 Prozent knapp die Hälfte der Bevölkerung für über 100 Franken Medikamente erworben, während 24 Prozent kleinere Beträge ausgegeben haben. Die Ausgabenstruktur hat sich im 6-Monate-Vergleich praktisch nicht verändert. Dies gilt vor allem für die Ballung bei Jahresausgaben zwischen 100 und 200 Franken.

Abbildung 6

3.1.3 Die eigene Medikamenteneinnahme
Obwohl rund 90 Prozent der Bevölkerung an sich gesund sind, verwenden 39 Prozent zur Zeit Medikamente. 61 Prozent geben an, keine Medikamente zu nehmen.

Abbildung 7

Die verschiedenen Indikatoren rund um die Nutzung von Medikamenten zeigen neben einem grundsätzlichen positiven Gesundheitsbild dennoch eine relativ rege Nutzung von Medikamenten. Es ist daher anzunehmen, dass die Medikamente nicht nur und wahrscheinlich zunehmend weniger zur akuten Krankheitsbewältigung eingesetzt werden, sondern vermehrt rund um Befindlichkeitszustände, die als Nebenerscheinungen des Normallebens gelten. Die wahrgenommenen Anlässe zur Nutzung zeigen dabei auch nach der "Self Care"-Kampagne ein konstantes Profil.

Abbildung 8

So ist die Krankheitsprävention unverändert das zentrale Motiv bei der Medikamentennutzung. 61 Prozent verwenden Medikamente hierzu. Die Prävention bildet damit das Hauptmotiv bei der Medikamentennutzung. Bereits an zweiter Stelle der Nutzung stehen bestimmte Befindlichkeitsstörungen als Anlass zur Medikamenteneinnahme. So haben 31 Prozent Erfahrungen damit, Präparate gegen Schlafprobleme einzunehmen. Eine nahezu gleich grosse Gruppe gibt dasselbe für Verdauungsbeschwerden an. Der NutzerInnenanteil bei Stress und innerer Anspannung bewegt sich bei einem knappen Viertel der EinwohnerInnen.

19 Prozent haben Erfahrungen damit, Medikamente zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit im Alltag zu nutzen. Leicht nach oben gerückt ist die Angabe, Medikamente derzeit oder bereits in der Vergangenheit zum Ausgleich einer einseitigen Ernährung genutzt zu haben. Das Sechstel mit Erfahrungen in diesem Bereich kommt neu vor der Hormoneinnahme, die 16 Prozent nennen. 13 Prozent bekämpfen emotionale Verstimmungen mit pharmazeutischen Mitteln.

Mit deutlichem Abstand zu diesen Beschwerden werden Medikamente dazu verwendet, die Folgen von zu viel Alkohol auszugleichen, als Ausgleich zu unregelmässigem Essen oder als Aufbaupräparate im Bereich der Kosmetik. Diese Anlässe werden aktuell von jeweils 10 Prozent geltend gemacht. Nur eine marginale Gruppe von 8 Prozent verwendet Medikamente zum Abnehmen, und 3 haben Erfahrungen mit Hormonen zur Leistungssteigerung im sportlichen Bereich.

3.2 Der Medikamentenmissbrauch

3.2.1 Die Definition
Gemäss unserer theoretischen Annahme gehen wir in der Studie davon aus, dass ein Medikamentenmissbrauch vorliegt, wenn die folgenden Punkte erfüllt sind:

Abbildung 9: Definition Medikamentenmissbrauch

 
  • off-label-use (Einsatz von Medikamenten für nicht zugelassene Indikatoren)
  • überkonsum von Medikamenten
  • Einnahme ohne Anlass
  • Reparaturmedizin statt gesunder Lebensstil

Quelle: GfS-Forschungsinstitut, "Medikamente richtig eingesetzt"

Ein Medikamentensucht liegt vor, sobald die psychische und körperliche Abhängigkeit gekoppelt ist und zu einer zweckendfremdeter Nutzung der Medikamente führt. Unsere Studie lässt mögliche Indizien auf Medikamentenmissbrauch, nicht aber Medikamentensucht zu.

Um den aktuellen Medikamentenmissbrauch der Bevölkerung in der Schweiz aufzeigen zu können, möchten wir in einem ersten Schritt jenen Teil der Bevölkerung betrachten, der trotz gutem bis sehr gutem Wohlbefinden Medikamente einnimmt, und in einem zweiten Schritt das Profil der Leute aufzeigen, die aktuell Medikamente einnehmen.

3.2.2 Leute mit gutem bis sehr gutem Befinden und ihr Medikamentenkonsum
Ueber beide Erhebungen hinweg geben drei Viertel der Bevölkerung (n=2031) an, dass ihr Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Erhebung gut oder sogar sehr gut war. 88 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe nahm dennoch Medikament ein. Im folgenden werden das Profil und das Verhalten dieser 88 Prozent genauer betrachten:

Geschlecht:
54 Prozent der Frauen (n=137) und 45 Prozent der Männer (n=45), die sich gesundheitlich 'gut' fühlen, nehmen Medikamente ein, wodurch sich bei dieser Gruppe ein geschlechtsspezifischer Unterschied abzeichnet, der jedoch bei der Gruppe der BürgerInnen, die sich 'sehr gut' fühlt, verschwindet. Sowohl 50 Prozent der Männer als auch 50 Prozent der Frauen, die sich sehr gut fühlen, geben an, dass sie Medikamente einnehmen.

Alter:
Die Alterseinteilung zeigt, dass drei Viertel der BürgerInnen, die in einem guten Gesundheitszustand sind und trotzdem Medikamente einnehmen, im Alter zwischen 30 Jahre und 60 Jahre sind. Die Altersklasse jener BürgerInnen, die trotz 'sehr guter' Befindlichkeit Medikamente einnehmen, ist leicht höher und liegt zwischen 40 und 65 Jahre (50 Prozent der Anteile).

Berufstätigkeit:
Untersucht man diese Gruppe gemäss dem Kriterium "berufstätig vs. nicht berufstätig" zeigt sich, dass 44 Prozent der berufstätigen BürgerInnen, die in einem 'guten' bis 'sehr guten' Gesundheitszustand sind, zum Zeitpunkt der Befragung Medikamente einnahmen.
Unterscheidet man bezüglich Voll- oder Teilzeitarbeit, stellen wir fest, dass 30 Prozent der BürgerInnen, die über 30 Stunden pro Woche arbeiten, trotz gutem bzw. sehr gutem Wohlbefinden, Medikamente einnahmen.

Gründe der Medikamenten Einnahme:
Die häufigst genannten Gründe, die die BürgerInnen dieser Gruppe zur Einnahme von Medikamenten bewegen, sind:

Die Medikamenteneinnahme dient somit in dieser Bevölkerungsgruppe ganz klar zu Verbesserung der Befindlichkeitszustände bzw. zur Stressregulation.

3.2.3 Alle SchweizerInnen mit aktuellem Medikamentenkonsum
Bei den unterschiedlichen Anlässen, Medikamente auch ohne konkrete Erkrankungen einzunehmen, zeigen diejenige, die aktuell Medikamente einnehmen müssen, zum Teil ein ganz anderes NutzerInnenprofil als Menschen, die derzeit nicht auf Medikamente angewiesen sind. So verwenden aktuell "Kranke" mit insgesamt 45 Prozent klar stärker Schlafmittel als der Bevölkerungsschnitt. Auch für die Verdauung werden mehr Medikamente eingesetzt. Das Verhältnis liegt hier bei 36 zu 32 Prozent des Bevölkerungsmittels. Stress und innere Anspannung sind sodann für 28 Prozent der akut Kranken oder mit Beschwerden behafteten Personen ein Anlass, Medikamente einzunehmen, der Durchschnitt liegt dagegen bei 23 Prozent. Ein Fünftel aller Personen, die momentan Medikamente nutzen, verwendet derzeit oder hat bereits Erfahrungen mit der Präparateeinnahme gegen emotionale Verstimmungen. Die Einnahme von Hormonen liegt schliesslich bei 21 Prozent, in der Gesamtbevölkerung beträgt er dagegen 16 Prozent.
Im Sinne des zuvor definierten Missbrauchsbegriffs ist daher anzunehmen, dass vorwiegend in den Bereichen Krankheitsprävention und Stressregulation Medikamentenmissbrauch betrieben wird.

3.2.4 Die Eigenverantwortung
Unsere Studie zeigt, dass dem vorsichtigen Zugang zu medikamentösen Therapien bei einer konkreten Erkrankung ein eher sorgloses Verhalten beachtlicher Gruppen gegenüber steht, wenn es um die Verwendung von Medikamenten ausserhalb der Abgabestellen geht. In der Bereitschaft zur Weitergabe und der Entgegennahme von Medikamenten eröffnet sich ein weiterer potenzieller Grenzbereich zum Medikamentenmissbrauch resp. zur Falschnutzung von Präparaten.

In einer simulierten Situation, in der die Befragten eine Befindlichkeitsstörung im Ausmass einer Grippe hatten, würde zwar eine relative Mehrheit von 56 Prozent nicht auf den Rat von Freunden, Bekannten oder Verwandten hören und ein bestimmtes Mittel, das diese schon benutzt haben, kaufen. Mit 35 Prozent würde allerdings ein gutes Drittel sich hierzu bereit finden, während 8 Prozent sich nicht entscheiden können. Jene 35 Prozent verkennen insofern den Heilmittelcharakter, als sie sich in Bezug auf ihr Informations- resp. Beschaffungsverhalten wie gegenüber einem normalen Konsumgut verhalten.

Abbildung 10

Eine ähnliche Konstellation ergibt sich, wenn die Befragten von der Position des Entgegennehmenden in diejenige versetzt wird, in der sie selbst entscheiden müssen, ob sie Medikamente an Dritte weitergeben. Bei der Frage, ob man jemand in der Familie oder jemandem aus der eigenen Umgebung auch mal ein Medikament weitergeben würde, das man angebrochen hat, liegt die Bereitschaft bei 32 Prozent. Diese Gruppe würde ohne vorherige Konsultation einer Fachperson ein Medikament an jemanden aus der näheren Umgebung zur Nutzung weiterreichen. Mit 63 Prozent lehnt eine konstante Mehrheit allerdings eine Weitergabe von Heilmitteln an Dritte ab.

Abbildung 11

Deutlich geringer wird die Zahl mit einem Falschverhalten, wenn es um die Situation geht, in der ein Kind eine Beschwerde hat, von der die Erwachsene meinen, sie zu kennen. Diese Frage löst nach Ablauf der "Self Care"-Kampagne vermehrte Verunsicherung aus. Zwar würden effektiv nur 16 Prozent dem Kind ein Medikament geben, ohne zuvor eine Fachperson zu konsultieren. Die Mehrheit, die dagegen in jedem Fall zuerst den Arzt konsultieren würde, beträgt neu 50 Prozent. Sie ist damit um 7 Prozent gesunken. Gleichzeitig hat sich Zahl derjenigen, die sich nicht kompetent fühlen, die Frage zu beantworten, von 5 auf 9 Prozent verstärkt, während das Viertel konstant geblieben ist, das primär den Apotheker um Rat angehen würde (25%).

Abbildung 12

3.3 Die Orientierung bei der Medikamentennutzung

Wie orientieren sich die SchweizerInnen bei der Medikamentennutzung? Im folgenden werden die Hauptkriterien wie Medikamentenauswahl, Anforderungen an die Abgabestelle und Orientierung an der Werbung aufgezeigt.

3.3.1 Kriterien bei der Auswahl der Medikamente
Zunächst ist von Interesse, welche Kriterien zur Anwendung gelangen, wenn es um den Gebrauch von Medikamenten geht. Wir gaben zu diesem Zweck der Befragten sog. "Dilemma-Situationen"vor, welche zu den folgenden Ergebnisse führten.

Abbildung 13

Demnach ist der Arzt im Orientierungsprozess der BürgerInnen sehr zentral. Die Frage, wie weit die Bevölkerung dem Arzt vertraut resp. nicht vertraut, zeigt der folgende Exkurs:

3.3.2 Anforderungen an die Abgabestelle
Die Befürwortung des Heilmittelvertriebes via Fachpersonen lässt vermuten, dass dem Arzt und dem Apotheker von einer Mehrheit der Bevölkerung eine zentrale Rolle im Umgang mit Heilmitteln zugesprochen wird. Daher stellt sich zunächst die Frage, welches Wissen die Bevölkerung zu den Verantwortlichkeiten der abgebenden Stellen hat.
Auch hier haben wir wiederum Situationen simuliert, und kamen bei deren Analysen zum folgenden Schluss:

Haltungen zur Verantwortung bei der Einnahmekontrolle.
In der simulierten Situation bekommt der Befragte ein Beruhigungspräparat vom Arzt verschrieben, versäumt aber den Termin zur Nachkontrolle. Der Arzt fordert ihn kein zweites Mal auf, zur Kontrolle der Einnahme zu erscheinen, obwohl er das Präparat weiter einnimmt. Objektiv verhält sich der Abgebende in einer solchen Situation nicht korrekt.
Dies wird allerdings von einer Mehrheit der Bevölkerung nicht wahrgenommen. Ganz im Gegenteil gehen auch im Zuge der "Self Care"-Kampagne '99 62 Prozent davon aus, dass das Verhalten des Arztes korrekt sei, weil die Pflicht zum Nachholen des Termins beim Patienten liege. Nur 31 Prozent sind sich über die richtigen Verantwortlichkeiten im klaren.

Missbrauch oder Falschverhalten von Seiten der Abgebenden:
Mit dem mehrheitlich falschen Wissensstand in Sachen Nachkontrolle korrespondieren rückläufig kritische Einschätzungen mit Blick auf ein nicht korrektes Verhalten der Abgabestellen. Für eine deutlich gewachsene Mehrheit von 61 Prozent der Bevölkerung ist die Frage des Arztes, ob der Patient von einem bereits einmal verabreichten Mittel noch weitere Dosen benötige, keine Form des falschen Umgangs mit Medikamenten. 18 Prozent halten die potentielle Nachfrageschaffung, die der Arzt mit seiner Frage motiviert, für ein Fehlverhalten. Nur die kleinste Gruppe von 15 Prozent der Bevölkerung geht davon aus, dass es sich bei dieser Handlungsweise des Arztes um Missbrauch handelt.

Im Dezember 1998 befand noch ein gutes Drittel die Abgabe von Grosspackungen mit einem Mengenrabatt durch den Apotheker als missbräuchlich. Diese Gruppe hat sich neu um 7 Prozent reduziert. Um diesen Prozentsatz gewachsen sind gleichzeitig diejenigen, die ein solches Verhalten weder als Falschnutzung noch als Missbrauch einstufen würden. Sie machen neu 35 Prozent aus, während konstante 28 Prozent in erster Linie Falschnutzung assoziieren.

Ebenfalls abnehmend ist die Skepsis, wenn der Arzt ohne persönliche Diagnose Medikamente für Dritte verschreibt. Auch hier assoziiert neu die relativ gesehen grösste Gruppe von 39 Prozent weder Missbrauch noch Falschverhalten. Zwar war dies bereits im Dezember 1998 die am stärksten vertretene Kategorie, sie hat sich seither um 4 Prozent verstärkt. Leicht abgenommen hat der Anteil jener, die mit 31 Prozent Missbrauch wahrnehmen. Der Anteil, der ein solches Verhalten des Arztes als falsch bewertet, hat sich von 27 auf 29 Prozent praktisch nicht verändert.

Abbildung 14: Anforderungen an die Abgabestelle

 
  • Einnahmekontrolle wird nur von 31 Prozent verlangt.
  • Grosszügige Verschreibungspraxis wird von 15 Prozent als Missbrauch eingestuft.
  • Abgabe von Grosspackungen wird von 28 Prozent als Missbrauch assoziiert.
  • Verschreibung an Dritte wird von 31 Prozent als Missbrauch deklariert.

Quelle: GfS-Forschungsinstitut, "Medikamente richtig eingesetzt", Dezember 1998/Juni 1999 (N=1025/1006)

Wir kommen somit zum Schluss, dass sich eine Mehrheit der SchweizerInnen bei der Medikamentennutzung am Arzt orientiert und sich dabei relativ unkritisch seinem Verhalten gegenüber stellt. Der Medikamentenmissbrauch wird in diesem Kontext daher kaum wahrgenommen.

3.3.3 Werbung
Aus der Optik von "Self Care" spielt im Umgang mit Medikamenten die Wahrnehmung der Werbung eine zentrale Rolle. Dabei stellt sich die Frage, ob Werbung in erster Linie aus persönlicher Perspektive als nützlich empfunden wird, oder ob sie vielmehr aus einer gesundheitspolitischen Perspektive heraus als sinnvoll oder eher gefährlich gewichtet wird. Aktueller Anlass ist die Diskussion um die Ausdehnung auf verschreibungspflichtige Präparate, wobei sich besonders die Medikamentenhersteller für eine weitergehende Liberalisierung der Werbung einsetzen. Eine zunehmende Mehrheit der Bevölkerung erweist sich demgegenüber allerdings als skeptisch.

Abbildung 15

Fast 80 Prozent der Schweizer Einwohner und Einwohnerinnen stimmen dem Argument zu, wonach Werbung nur gut ist, wenn beim Kauf eine Fachperson zwischengeschaltet ist, da sonst das Risiko der Falschnutzung zu gross sei. Dieser Anteil hat sich nach dem Ende der "Self Care"-Kampagne leicht verstärkt. Konstant gehalten haben sich demgegenüber jene zwei Drittel, die Werbung für gefährlich halten, weil sie schwierige Symptome reduziere und die Wirkung des Medikamentes vereinfacht werde. Damit werden die Risiken der Werbung mehrheitlich geteilt, den positiven Aspekten wird nur minderheitlich zugestimmt.

So ist nur ein gutes Drittel mit dem Argument einverstanden, dass Werbung ein Mittel für jeden Verbraucher sei, sich über Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten zu informieren. 27 Prozent stimmen unverändert der Aussage zu, mit Werbung bekomme man generell einen vermehrten Ue;berblick, sodass man sich bei Beschwerden besser selbst versorgen könne. 26 Prozent halten die Ausdehnung der Werbung auf verschreibungspflichtige Präparate für sinnvoll, weil dann der/die KonsumentIn die Entscheidung des Arztes besser beurteilen könne. Dieses Argument aus der Diskussion um die Ausgestaltung des Heilmittelgesetzes erhält im Zeitvergleich 3 Prozent weniger Unterstützung.

Bilanzierend wird allerdings dem Aspekt der vermehrten Eigenverantwortung, die sich mit mehr Information einstellt, von der Bevölkerung zum aktuellen Zeitpunkt ähnlich wenig Bedeutung beigemessen, wie dem Bezug von Präparaten über "Internet". Unveränderte drei Viertel der Schweizer EinwohnerInnen bezeichnen den Verkauf und Versand von Medikamenten über Internet als 'gefährlich', weil gerade bei Risikogruppen die Kontrolle nicht ausreichend sei. 9 Prozent der befragten Personen kennen das Medium "Internet" gar nicht, und 10 Prozent stimmen mit der Ansicht überein, der Medikamentenversand und -verkauf über Internet sei gut, da die Leute ohne den Umweg über Fachpersonen eigenverantwortlich mit Medikamenten umgehen könnten. Damit ist die Meinungsbildung über Internet eindeutig. Fast die gesamte Bevölkerung betrachtet das Medium zum aktuellen Zeitpunkt als ungeeignet für den Medikamentenvertrieb.

Abbildung 16

3.4 Die Wahrnehmung der "Self Care"-Kampagne

3.4.1 Das Ausmass
14 Prozent der EinwohnerInnen haben einmal irgend etwas von der "Aktion Self Care" gehört, gesehen oder gelesen und 82 Prozent haben gar nichts davon bemerkt. Angesichts der Tatsache, dass die Kampagne erstens nur innerhalb weniger Wochen eines Kalenderjahres stattfindet und zweitens in Teilen der Schweiz noch gar nicht abgeschlossen ist, sind 14 Prozent der Gesamtbevölkerung ein relativ hoher Wert.

Im folgenden werden die Kampagneninhalte, die Zielgruppen und die gewählten Kommunikationskanäle näher untersucht. Eine genauere Analyse der durch diese Kampagne angesprochenen Bevölkerungsgruppen lässt Rückschlüsse auf Stärken und Schwächen der Aktion und die einzelnen Schwerpunktprogramme zu.

Abbildung 17

Die "Self Care"-Kampagne bemerkt haben vor allem Personen der Altersgruppe von 40 bis 59 Jahre (17%). Ebenfalls stärker reflektiert wurde die Kampagne von hoch gebildeten Personen (20%), teilzeit Erwerbstätigen (20%) und BezieherInnen mittlerer bis hoher Einkommen (je 17%). Signifikant übervertreten sind die BezieherInnen höchster Einkommen über 9000 Franken pro Monat und Haushalt.

3.4.2 Die Schwerpunkte
Demgegenüber haben die BezieherInnen unterster Einkommen zu 90 Prozent nichts von der Kampagne gesehen. Dasselbe gilt für Personen mit tiefer Bildung (88%). Damit wird mit Blick auf die Rezeption der Kampagne ein Schichtelement wirksam. Stärker sensibilisiert sind eindeutig Personen, die materiell besser gestellt sind und die eine höher qualifizierte Ausbildung genossen haben.

Der diesjährige Schwerpunkt von "Self Care" hiess "Medikamente - richtig eingesetzt". Die Aktion hatte 5 Ziele und wurde über verschiedene Kommunikationskanäle umgesetzt. Zu den Inhalten gehörten sowohl das gezielte Sensibilisieren von PatientInnen mit Mehrfachmedikation, als auch die Ansprache unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen, um deren Eigenverantwortung im alltäglichen Umgang mit Medikamenten zu erhöhen. Die folgenden Module kamen dabei zur Anwendung:

Abbildung 18: Module der Aktion "Self Care"

 
  1. Ein Spezialdosierer für ältere und gebrechliche Patienten, zusammen mit einem Schaufenster-Modul, sowie Inszenierungen in Spezialgefässen der Print- und visuellen Medien.
  2. Sog. "Medi-Checks" zur Sensibilisierung hinsichtlich Wechselwirkungen von Medikamenten bei Mehrfachindikation. Dies geschah in Form von Beratungsgesprächen und über Direct Mailings.
  3. Eine "Entrümpelungsaktion" in der Hausapotheke mit einer entsprechenden Beratung, Direct-Mailings an Stammkunden, Beiträge im Fernsehen und eine Medienkonferenz.
  4. Die Aktion "Sicher beim Lenken" mit dem Ziel, die Patienten mit Blick auf die Fahrtüchtigkeit unter Medikamenteneinfluss zu sensibilisieren. Diese Aktion fand in Zusammenarbeit mit dem Automobilclub Schweiz statt.
  5. Individuelle Compliance-Checks, bei denen ein Beratungsgespräch mit einem Fragebogen zur persönlichen Medikamenteneinnahme verbunden wurde. Hinzu kam ein Beitrag im Fernsehmagazin PULS.

Quelle: GfS-Forschungsinstitut, "Medikamente richtig eingesetzt"

Unsere Bevölkerungsumfrage zeigt, dass 12 Prozent der EinwohnerInnen, die die "Self Care"-Aktion als solche wahrgenommen haben, auch Teile resp. die gesamte Schwerpunktaktion unter dem Titel "Medikamente - richtig eingesetzt" bemerkt haben. 84 Prozent haben hiervon nichts wahrgenommen.

Betrachten wir das Profil der Bevölkerungsgruppe, die etwas von dieser Aktion wahrgenommen hat, können wir den folgenden Typ herauskristallisieren:

Frauen wie Männer haben die Schwerpunktaktion in etwa gleich stark rezipiert. Tendenziell übervertreten sind als einzige Bevölkerungsgruppe die Personen, die zwischen 50 und 59 Jahre alt sind (16%). Demgegenüber haben vor allem die 30 bis 39jährigen nichts von der Schwerpunktaktion mitbekommen (87%), aber auch Personen mit kleinen Kindern geben über dem Bevölkerungsmittel an, die Aktion nicht gesehen zu haben (87%).

Abbildung 19

3.4.3 Die Zielgruppen-Ansprache
Betrachten wir die einzelnen Module bezüglich deren Zielgruppen, stellen wir fest, dass die gewählte Kommunikationsform erfolgreich war. Die direkte Kommunikation via Apotheker und Kunde ist demnach nebst Direct-Mailings eine gute Möglichkeit, um die Inhalte von "Self Care" zu kommunizieren.

Abbildung 20: Qualitative übersicht über die "Self-Care"-Rezipienten, die die einzelnen Themen wahrgenommen haben

"Entrümpelung der Hausapotheke" "Medi-Check" "Spezialdosierer" "Gesund am Steuer" "Medikamente im Klassenzimmer"
Frauen30-39jährigeüber-60jährige40-49jährige18-29jährige
40-49jährigePersonen mit mittlerer GesundheitPersonen, die Medikamente einnehmenPersonen mit mittlerem GesundheitszustandPersonen mit Kindern
50-59jährigePersonen mit mittlerem SchulabschlussPersonen mit hohem SchulabschlussPersonen, die aktuell Medikamente einnehmenPersonen mit Jugendlichen
Personen mit KindernPersonen, die Medikamente auf Rat von Freunden nehmenNicht-ErwerbstätigePersonen, die ein Präparat auch mal wegen eines Nebeneffektes nehmenPersonen mit hohem Schulabschluss
Personen, die derzeit keine Medikamente einnehmen (müssen)BezieherInnen unterster Einkommen

Quelle: GfS-Forschungsinstitut, "Medikamente richtig eingesetzt", Juni 1999 (N=1006)

Aus der Analyse der einzelnen Themen ergeben sich verschiedene Schlüsse. Der SAV hat im Rahmen der Aktion "Self Care" insbesondere Personen mit einer hohen Bildung und einem hohen Einkommen angesprochen. Zudem sind die EinwohnerInnen mit regelmässigem Medikamentenkonsum stärker aufmerksam geworden. Insofern hat die Kampagne verstärkt die bereits sensibilisierten Gruppen angesprochen. Offen bleibt dabei, inwieweit die Gruppen die Information auch umsetzen. Als optimale Kommunikationskanäle haben sich mit Blick auf die gesamte Bevölkerung Radio und Fernsehen erwiesen. Die Aktion zur "Entrümpelung" von Hausapotheken" konnte über diese Kanäle als einzige Aktion an ein breiteres Publikum gelangen. Nicht ausreichend für eine Aktion auf nationaler Ebene ist die Schaufensterdekoration der Apotheken. Die ganze Kampagne erfolgte zudem primär über die ApothekerInnen als KommunikatorInnen, wodurch lediglich die Mikro- und nicht die Makroebene angesprochen wurde.

4. Zusammenfassung

Zu Beginn des Referates lauteten die vier zentralen Fragen zum Umgang mit Medikamenten:

Wir können nun abschliessend festhalten:

Abb.21: Die zentralen Antworten

 
  • Die Bevölkerung setzt die Grenze zum Missbrauch im Umgang mit Heilmitteln ungleich höher an als die Fachleute. Die Verhaltensformen um die Medikamentennutzung sind von einer geringen Reflexion über die Grenzen zum Missbrauch geprägt.
  • Die SchweizerInnen orientieren sich bei der Medikamentennutzung primär an der Person bzw. am Arzt, wobei das Wissen zu den Verantwortlichkeiten insbesondere der Abgabestellen noch gering ist.
  • Die häufigsten Gründe, die die 'gesunde' Bevölkerung zum Medikamentenkonsum bewegen sind: Krankheitsprävention, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme und Stressregulation.
  • Als Risikogruppe im Kontext der Medikamentennutzung gelten berufstätige BürgerInnen ab dem 30. Lebensjahr mit tiefer bis mittlere Bildung und einem Haushaltseinkommen zwischen 5000-7000 Fr. (pro Mt.).
  • Die 'Self Care'-Kampagne erreichte diese Zielgruppe nur teilweise. So wurden zwar die richtigen Altersklassen angesprochen, jedoch nicht die richtige Einkommens- bzw. Bildungsschicht.
  • Der eruierte Typ, der extrem schwer fassbar bleibt, ist der zwischen 40 und 49 Jahre alte, vollzeit berufstätige Mann.
  • "Self Care" bewegt sich im Schnittfeld zwischen der Mikro- und Makroperspektive. So erklärt sich, weshalb alle Module der Kampagne vor allem bei bereits sensibilisierten Gruppen gewirkt haben. Die nicht Sensibilisierten haben dagegen in erster Linie auf die "Entrümpelungsaktion" reagiert, weil sie diese mit einem konkreten Nutzen verbinden konnten.

Quelle: GfS-Forschungsinstitut, "Medikamente richtig eingesetzt"

Zusammenfassend zeigen die Personen, die die Kampagne wahrgenommen haben, ein besonderes Interesse am Thema, das aber mit einer zum Teil riskanten Selbstüberschätzung gekoppelt ist. Es basiert auf einer starken Aufmerksamkeit für das eigene Wohlbefinden, die bestimmten Formen der Medikamentenverschwendung und des Missbrauchs Vorschub leistet.

Es gilt in nächster Zukunft die Beraterfunktion des Apothekers stärker zu betonen, um damit die Orientierung der Bevölkerung beim Kauf von Medikamenten via Beratung durch den Apotheker zu erhöhen. Nur so kann das Spannungsfeld zwischen dem gewünschten und tatsächlichen Verhalten im Kontext der Medikamentennutzung verringert werden. Bei der Beratungsarbeit durch den Apotheker sollten daher die folgenden Fragen integriert werden:

Abb.22: Fragestellungen für Beratungsarbeit

 
  1. Wer wird das Medikament einnehmen?
  2. Handelt es sich um eine wiederholte Einnahme des Medikamentes?
  3. Wird die Medikamenteneinnahme durch den Arzt kontrolliert?
  4. Käme auch eine kleinere Medikamentenpackung in Frage?
  5. Geschieht die Medikamenteneinnahme bewusst oder ist diese automatisiert?
  6. Wird das Medikament vorwiegend zur Veränderung des psychischen Wohlbefindens oder zur Stressregulation benutzt?
  7. Gibt es Alternativen zur Medikamenteneinnahme, wie beispielsweise änderung vom Lifestyle.

Quelle: GfS-Forschungsinstitut, "Medikamente richtig eingesetzt"

Literatur

Abel, T. (1997) Gesundheitsverhaltensforschung und Public Health: Paradigmatische Anforderungen und ihre Umsetzung am Beispiel gesundheitsrelevanter Lebensstile, In: R. Weitkunat, H. Haisch, M. Kessler (Hrsg.), Public Health und Gesundheitspsychologie. Bern, Verlag Hans Huber.