Aktiv, aber neutral, so wünscht sich eine relative Mehrheit der Schweizer StimmbürgerInnen die Aussenpolitik unseres Landes.
74 Prozent sind der Meinung, die Schweiz solle auch in Zukunft neutral bleiben. Mehrheitlich wird Neutralität so verstanden, dass sich die Schweiz nicht bewaffnet an militärischen Operation im Ausland beteiligen darf. Neutralität bedeutet indessen nicht für alle, dass die Schweiz aussenpolitisch abseits stehen muss. Vielmehr sind die StimmbürgerInnen recht positiv eingestellt gegenüber einer Öffnung der Aussenpolitik. 61 Prozent bejahen das Öffnungsprinzip, 23 Prozent sprechen sich ausdrücklich dagegen aus. Kombiniert man beide Befunde,
Die wichtigsten Gründe für die Öffnung sehen die StimmbürgerInnen in den Erfahrungen der letzten Jahre mit der Isolation als Kleinstaat oder den Beschränkungen eines einzelnen Landes in Fragen, die nicht nur innerstaatlich gelöst werden können. Die grössten Bedenken gegenüber einer Öffnungspolitik bestehen in der Asylpolitik, wo die vermehrte Aufnahme von Flüchtlingen befürchtet wird.
Käme es heute zu einer Entscheidung über den UNO-Beitritt, wären das Interesse, aber auch die Überforderung mit der Thematik gross. 56 Prozent der StimmbürgerInnen bekunden, an einer solchen Entscheidung teilnehmen zu wollen, aber nur 31 Prozent fühlen sich in dieser Frage schon hinreichend informiert.
Bevor es zu einer politischen Entscheidung kommt, wünschen sich 30 Prozent der StimmbürgerInnen mehr Informationen über die Aktivitäten der UNO. Diese erwarten sie in erster Linie vom Vorsteher des EDA sowie Schweizerinnen und Schweizer, die im Zusammenhang mit UNO-Einsätzen aktiv waren.
46 Prozent der Personen, die sich selber an einer UNO-Abstimmung beteiligen wollten, würden heute für den Beitritt stimmen, 29 Prozent ausdrücklich dagegen. Ein Viertel der Teilnahmewillligen zeigt noch keine Stimmabsicht.
Im Vergleich zur Abstimmung von 1986 ist damit ein Meinungswandel zur UNO feststellbar, wenn auch offen gelassen werden muss, wie stark er schon stabilisiert ist, sind doch nur 31 Prozent "bestimmt" für einen UNO-Beitritt der Schweiz. Insbesondere weltpolitische Ereignisse und der Grad der innenpolitischen Meinungsbildung sind bekannte Einflussfaktoren auf die Stimmabsichten zu einem UNO-Beitritt.
Die wichtigsten Konfliktlinien in der UNO-Beitrittsfrage haben das bekannte Profil aussenpolitischer Entscheidungen: Unterschiedliche Einschätzungen ergeben sich vor allem aufgrund
Gerade im Zeitalter der Globalisierung wird die UNO vermehrt als "Zukunftsorganisation" gesehen resp. als "Gemeindeversammlung" der Staaten aufgefasst, was das Image positiv beeinflusst. Negativ sind die Wahrnehmungen der Kosten durch die internationalen Verpflichtungen sowie der Einfluss von Grossmächten auf die UNO, insbesondere der USA.
Wäre die Schweiz heute schon Mitglied der UNO, wären aus Bevölkerungssicht die Teilnahme an Aktionen
unbestritten. Am meisten Widerspruch würde eine Beteiligung an den Blauhelm-Truppen (28% Zustimmung) auslösen, die deutlich negativer gesehen wird als die Beteiligung an Aktionen der Blaumützen (58% Zustimmung).
Die hier geschilderten Ergebnisse basieren auf einer speziellen Repräsentativ-Befragung des GfS-Forschungsinstitut, die im April 1999 bei 1204 stimmberechtigten BürgerInnen in der ganzen Schweiz mittels computergesteuerter, telefonischer Interviews befragt wurden. Die Erhebung wurde im Auftrag des Eidg. Departementes für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) durchgeführt.